Henri Matisse (1869-1954)

Nature morte au géranium,

1910
Material / Technik / Bildträger
Öl auf Leinwand
Maße des Objekts
93 x 115 cm
Ausgestellt
Nicht ausgestellt
Gattung
Malerei
Inventarnummer
8669
Erwerb
1912 erworben als Schenkung von Marcus Kappel im Rahmen der Tschudi-Spende
Bestand
Bayerische Staatsgemäldesammlungen - Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München
Zitiervorschlag
Henri Matisse, Nature morte au géranium, 1910, Bayerische Staatsgemäldesammlungen - Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München, URL: https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artwork/01G13mnxkE (Zuletzt aktualisiert am 27.10.2022)
Hugo von Tschudi gab dieses Bild direkt bei Henri Matisse in Auftrag, nachdem er den Künstler im Oktober 1909 in seinem neuen Atelier in Issy-les-Moulineaux besucht hatte. 1912 wurde es mit Hilfe der Tschudi-Spende für München erworben und war damit eines der ersten Gemälde des Künstlers in öffentlichem Besitz. 1955 wurde es auf der ersten documenta in Kassel gezeigt, was die Relevanz des Werks für die Moderne verdeutlicht. Das Gemälde führt exemplarisch den dekorativen Flächenstil vor, den Matisse nach formal nervösen Anfängen in seiner mittleren Schaffensperiode entwickelt hatte. In dieser Zeit begann sich der Fauvismus aufzulösen, und der Analytische Kubismus nahm bereits in der künstlerischen Avantgarde die beherrschende Position ein. Die Komposition ist betont auf das Bild als zweidimensionale Fläche bezogen, illusionistische Raumeindrücke sind weitgehend vermieden. Im Vordergrund steht die farbige Gestaltung, aus ihr allein wird das Bild verständlich. Die gegenständlichen Motive wirken in erster Linie als Farbformen, die das Gemälde als Fläche gliedern, nicht als plastische, raumbeanspruchende und -verdrängende Körper. So werden zum Beispiel der drapierte Stoff durch die davon unabhängige Musterung und der bunte Keramikteller zu eher ornamentalen, ihrer eigentlichen stofflichen Funktion enthobenen Flächen, die das Gemälde diagonal in zwei gleichwertige Bereiche gliedern. Auffallend ist zudem das Fehlen einer eindeutig bestimmbaren Lichtquelle. Die einzelnen Farbflächen leuchten vielmehr aus sich heraus und lassen im Zusammenhang des Bildganzen eine gleichmäßige, jedoch nicht illusionistische Lichthaltigkeit entstehen. In der formalen und farblichen Ausgewogenheit der Komposition scheint Matisse seiner Wunschvorstellung sehr nahe gekommen zu sein: „Ich träume von einer Kunst des Gleichgewichts und der Reinheit, von einer Kunst der Ruhe, ohne ein aufregendes oder voreinnehmendes Sujet […].“

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