Auf einer ruhigen, von tiefen Blautönen bestimmten Wasserfläche liegen grüne Seerosenblätter, die zum oberen Bildrand hin ineinander verschwimmen. Dazwischen blühen drei rosafarbene und eine weiße Seerose. Die herabhängenden Zweige einer Trauerweide, die außerhalb des Bildausschnitts am Ufer steht, spiegeln sich leuchtend grün im Wasser.
Das Motiv der Seerosen beschäftigte Claude Monet über drei Jahrzehnte, von den späten 1890er Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1926. In seinem Garten in Giverny, in der Normandie, hatte der Künstler Seerosenteiche angelegt. Nach dem Vorbild von Wassergärten, die er von japanischen Farbholzschnitten kannte, gestaltete Monet diese Anlage mit großer Sorgfalt und einem ausgeprägten Sinn für Harmonie von Farbe, Licht und Spiegelungen.
Die umfangreiche Serie der über 250 Seerosen-Bilder zeigt die Entwicklung seines Spätwerks. Während die frühen Werke die Gartenlandschaft darstellen, auf denen nach Regeln der Zentralperspektive die Uferböschung oder etwa eine japanische Brücke zu sehen sind, die Monet über den eigens für die Teichlandschaft umgeleiteten Bach bauen ließ, wandeln sich um 1900 Blickwinkel und Bildausschnitt: Der Künstler – möglicherweise von der Brücke aus malend – schaute nun von oben auf das Wasser, das die gesamte Bildfläche einnimmt. Statt Nähe und Ferne sind durch die Spiegelungen Höhen und Tiefen angesprochen.
Die als "Les Nymphéas" bekannte Serie gipfelte in acht monumentalen Wandbildern, die Monet dem französischen Staat zum Kriegsende 1918 als Friedenssymbol schenkte. Diese sind heute im Musée de l’Orangerie ausgestellt.