1986 erhielt Sigmar Polke für seinen Beitrag auf der Kunst-Biennale in Venedig den Goldenen Löwen. Er hatte den Deutschen Pavillon in einen alchimistischen Ofen, Athanor, verwandelt, der im Mittelalter als Ort des letzten Schritts zur Erzeugung des Steins der Weisen galt.
Im Vorfeld hatte sich Polke diesem historisch hoch aufgeladenen Ort mit einem Fotoapparat angenähert. Mit ihm hielt er architektonische Eindrücke fest und belichtete dieselben Filmrollen erneut mit weiteren Motiven, die ihm vor Ort begegnet sind: wie einem Schaum unklarer Herkunft oder einer gesprungenen Glasscheibe. Dieses experimentelle Vorgehen setzte sich in der Dunkelkammer fort: Entwickler- und Fixierflüssigkeiten nutzte Polke bewusst gegen ihre übliche Funktion, sodass die Abzüge verschmiert und „verunreinigt“ erscheinen.
Durch die Überlagerung der Motive, durch die Schlieren und Verfärbungen entstehen unruhige Zwischenbilder. Sie lassen den Ort als von der Vergangenheit geprägt und zugleich gebrochen erscheinen.