Wie auf dem „Aschaffenburger Triptychon“ auf der gegenüberliegenden Wand erscheint der heilige Hieronymus in Kardinalstracht mit einem Löwen: Gemäß der Legende hatte er diesem einen Dorn aus der Tatze entfernt, woraufhin das wilde Tier als treuer Gefährte bei ihm blieb. In der Komposition folgt der unbekannte Maler dem Holzschnitt Lucas Cranachs d. Ä. nach einer Silberfigur des Heiligen aus dem sogenannten Wittenberger Heiltum, einer der größten Reliquiensammlungen vor dem Einsetzen der Reformation.
Die Tafel war vermutlich Teil eines Flügelaltars, von dem sich im Germanische Nationalmuseum in Nürnberg die zugehörige Darstellung eines heiligen Herrschers (Stephan I. von Ungarn oder Karl der Große?) erhalten hat. Diese wird Lucas Cranach d. Ä. zugeschrieben, was eine Verbindung des unbekannten Künstlers zur Cranach-Werkstatt nahelegt.